Profi-Fußball: Intelligente Finanzierungslösungen gefragt

Die Wintertransferperiode hat es wieder gezeigt: Die Ablösesummen im Profifußball sind deutlich gestiegen. Auch darüber hinaus schreitet die Kommerzialisierung voran und stellt die Vereine vor wachsende Herausforderungen – vor allem, was die Finanzierung von Transfers und Infrastruktur-Investitionen angeht. Die PwC-Legal Experten Dr. Jörg Wulfken und Dr. Lars Figura erklären, welche Lösungen geeignet sind, welche Risiken bestehen und warum die Fußballfinanzierung ein attraktives Geschäftsfeld für Banken ist.

Die ungebrochene Popularität des Fußballs sorgt für deutlich höhere Einnahmen der Vereine, zum Beispiel in Form von Fernsehgeldern, Sponsoring-Erlösen und Ticket-Umsätzen. Zugleich steigen aber auch die Ausgaben – getrieben vor allem von der englischen Premier League, deren Vereine immer höhere Transfersummen und Spielergehälter zahlen.

Diese Kommerzialisierung, deren Ende nicht absehbar ist, stellt die Proficlubs in Europa vor große Herausforderungen. Um den sportlichen Erfolg zu sichern, müssen sie vielfach hohe Summen investieren – in Spieler, aber beispielsweise auch in Trainingszentren.

Das Problem: Zum Zeitpunkt der Investitionen ist angesichts des kaum planbaren sportlichen Erfolgs nur schwer kalkulierbar, in welchem Umfang Einnahmequellen tatsächlich sprudeln. In diesem Umfeld sind intelligente Finanzierungslösungen gefragt. Gerade für Banken entsteht deshalb ein zunehmend interessanter Markt, den sie nicht außer Acht lassen sollten.

Fan-Anleihen bleiben Nischenprodukt

Das ist bislang häufig der Fall – gerade unter großen Geldhäusern. So stammen die Kreditlinien der Vereine überwiegend von regionalen Banken. Und andere Finanzierungsinstrumente kommen eher selten zum Einsatz: Fan-Anleihen zum Beispiel sind und bleiben ein Nischenprodukt. Bei Verbriefungen wiederum ist das Problem, dass viele Vereine keine stabilen Cash-Flows auf gesicherter Datenbasis vorweisen können.

Aber es gibt attraktive Alternativen. Wer Fußballclubs intelligente Finanzierungslösungen anbieten will, kann beispielsweise Darlehen konzipieren, bei denen der Zins- und Kapitaldienst von den zugrundeliegenden Cash-Flows abhängt – also etwa von Transfererlösen, Werbeeinnahmen oder Teilnahme- und Erfolgsprämien aus internationalen Wettbewerben.

Eine weitere Alternative ist der Kauf von Forderungen, der sich insbesondere anbietet, um Spielertransfers zu finanzieren. Um Risiken zu streuen, können sowohl Darlehen als auch Forderungen von Banken-Konsortien finanziert oder an Family Offices, Kredit- oder Hedgefonds übertragen werden. Auf diese Weise lassen sich zudem Provisionseinnahmen erwirtschaften.

Regeln von Verbänden beachten

Wichtig ist, dass Banken Finanzierungen unabhängig vom – kaum planbaren – kurzfristigen wirtschaftlichen Erfolg eines Clubs strukturieren. So sollten sie auf Forderungen, etwa aus Spielertransfers oder aus Werbeverträgen, zugreifen können. Zudem bieten sich sogenannte asset-based- oder limited-recourse-Finanzierungen an, bei denen Kapital- und Zinszahlungen ausschließlich von den zugrunde liegenden Aktiva abhängen.

Wer in diesem Bereich aktiv wird, sollte aber die besonderen Mechanismen und Risiken des Fußballgeschäfts kennen. Unter anderem gilt es zu beachten, dass Verbände wie die FIFA und die UEFA Regeln aufstellen können, die starken Einfluss auf finanzielle Forderungen gegen Vereine haben. Dies zeigen beispielsweise die „Financial-Fairplay“-Vorschriften der UEFA.

Die Regeln der Verbände haben zur Folge, dass es im Bereich der Fußballfinanzierung oftmals keine staatlichen Bestandsgarantien und keinen rechtlichen Vertrauensschutz gibt – auch wenn sich vielfach die Frage stellt, ob das von den Organisationen gestaltete Binnenrecht („Lex Sportiva“) mit den nationalen Rechtsordnungen und dem Europarecht in Einklang steht.

Solche Unwägbarkeiten zeigen: Nur wer das erforderliche Know-how aufbaut, um Risiken einschätzen und bewerten zu können, kann sich erfolgreich als Finanzierungspartner im Fußballgeschäft etablieren. Banken können dafür beste Voraussetzungen mitbringen – und sollten deshalb nicht zögern, den zukunftsträchtigen Markt für sich zu analysieren.

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