Bundesregierung will spontanes Laden von Elektroautos ermöglichen

„Elektromobilität kann dazu beitragen, die Klimaschutz- und Energieziele der Europäischen Union und Deutschlands zu erreichen. Elektroautos werden sich aber nur dann durchsetzen, wenn das Aufladen keine Hürde darstellt“, so die Einschätzung von PwC Legal-Experte Dr. Matthias von Kaler. Die Ladesäulenverordnung regelt die technischen Mindestanforderungen für den Aufbau und Betrieb von öffentlichen Ladepunkten für Elektromobile. Diese Verordnung soll nun ergänzt werden: Fahrer von Elektroautos sollen künftig auch an Ladesäulen tanken können, für die sie keinen Abnahmevertrag abgeschlossen haben.

Der Aufbau einer bedarfsgerechten Anzahl von öffentlich zugänglichen und sicheren Ladepunkten ist unerlässlich, damit Elektroautos sich flächendeckend durchsetzen können. Zentrale Bedeutung hat zudem, dass die Ladeinfrastruktur harmonisiert wird. Um dies zu gewährleisten, forderten Unternehmen aus verschiedenen Branchen verbindliche technische Standards für das Laden von Elektroautos. Der Gesetzgeber ist dieser Forderung nachgekommen: Am 17. März 2016 ist die Ladesäulenverordnung (LSV) in Kraft getreten ist. Sie regelt die technischen Mindestanforderungen an den sicheren und interoperablen Aufbau und Betrieb von öffentlich zugänglichen Ladepunkten für Elektromobile. Die Ladesäulenverordnung gilt für alle öffentlich zugänglichen Ladepunkte. Ein Ladepunkt ist öffentlich zugänglich, wenn er sich entweder im öffentlichen Straßenraum oder auf privatem Grund befindet, sofern der zum Ladepunkt gehörende Parkplatz von einem unbestimmten Personenkreis tatsächlich befahren werden kann. Die Ladesäulenverordnung gilt also teilweise auch für private Ladestellen.

Betreiber von Ladepunkten sollen punktuelles Aufladen ermöglichen

Die Bundesregierung plant nun, diese Verordnung bis zum 18. November 2016 um eine wichtige Regelung zu ergänzen: Fahrer von Elektrofahrzeugen sollen ihre Autos an allen öffentlichen Ladestationen laden können, auch wenn sie kein dauerhaftes Vertragsverhältnis mit dem jeweiligen Stromlieferanten oder Ladestellenbetreiber geschlossen haben. Die Betreiber von Ladepunkten müssen den Nutzern von Elektromobilen das „punktuelle Aufladen“ ermöglichen, so die konkrete Regelung. Die Betreiber sollen die für den bargeldlosen Bezahlvorgang erforderliche Authentifizierung und den Bezahlvorgang mittels eines gängigen kartenbasierten Bezahlsystems oder kostenlos mittels eines webbasierten Systems unterstützen. Alternativ können sie auf eine Authentifizierung verzichten und die Abgabe des Stroms ohne direkte Gegenleistung oder gegen Barzahlung ermöglichen.

Viele Ladestationen akzeptieren bereits Kunden ohne langfristige Verträge

Mit den Regelungen zum punktuellen Aufladen setzt die Bundesregierung den Willen des EU-Gesetzgebers um. Dieser schreibt vor, dass jeder einen nicht-diskriminierenden Zugang zu Lademöglichkeiten – unabhängig von langfristigen Verträgen – erhält. Zudem ist nach Einschätzung der Bundesregierung ein kundenfreundliches und allgemein zugängliches Laden elementar notwendig, um Deutschland zum Leitmarkt für Elektromobilität zu entwickeln. Dies gilt zum Beispiel für die rund 400 Ladestationen in Deutschland und Europa, die sich am System „intercharge“ der Berliner Hubject GmbH, einer eRoaming-Plattform, beteiligen.